Holly Win: Peer-Tutoring gegen Lernrückstände an der NMS Brüsslgasse

Problem: Lernlücken bleiben oft unsichtbar

Nach mehreren Schuljahren mit Wechselunterricht zeigen sich an Wiener Mittelschulen die Folgen ungleich verteilter Lernzeit: Wer zu Hause wenig Unterstützung hat, verliert bei den Grundkompetenzen den Anschluss. An der NMS Brüsslgasse trat das besonders in Mathematik und Deutsch hervor. Die Lücken waren selten dramatisch, aber sie wirkten sich auf Selbstvertrauen und Mitarbeit aus. Viele Kinder meldeten sich kaum noch, obwohl sie das Potenzial hatten. Genau hier setzt das Programm Holly Win an, das nicht auf Nachhilfe von außen, sondern auf Unterstützung innerhalb der Schule setzt.

Ursache: Zu wenig individuelle Begleitung im Regelunterricht

Der Regelunterricht kann einzelne Rückstände nur begrenzt auffangen. Eine Lehrperson betreut 25 Kinder; wer eine Erklärung zweimal braucht, bleibt oft zurück. Gleichzeitig gibt es ältere Schülerinnen und Schüler, die Inhalte sicher beherrschen und Verantwortung übernehmen wollen. Holly Win nutzt diese Ressource: Es verbindet Lernende mit Peer-Mentorinnen und -Mentoren aus höheren Klassen. Die Idee ist einfach, aber wirksam: Erklären auf Augenhöhe, feste Termine und kleine Gruppen. Entscheidend ist, dass die Mentorinnen und Mentoren nicht als Ersatzlehrkräfte auftreten, sondern als Lernbegleiter mit klaren Aufgaben.

Lösung: Holly Win als strukturiertes Peer-Mentoring

Holly Win läuft in achtwöchigen Zyklen. Jede Mentorengruppe besteht aus zwei älteren Schülerinnen oder Schülern und maximal vier jüngeren Kindern. Die Themen kommen aus dem laufenden Stoff: Bruchrechnen, Leseverstehen, Präsentieren. Die Lehrkräfte stellen Material und beobachten den Fortschritt; die Mentorinnen und Mentoren erklären, üben und geben Rückmeldung. Organisiert wird das Format von der Schule unter https://nmsbruesslgasse.at/, die die Zyklen koordiniert und die Qualität sichert. Wichtig ist die klare Struktur: Jede Einheit hat ein Ziel, eine Übung und eine kurze Reflexion.

Umsetzung: Feste Rollen, kurze Wege, sichtbare Ergebnisse

Die Schule hat Holly Win in den Stundenplan integriert: Dienstag und Donnerstag in der siebten Stunde, freiwillig, aber mit Anwesenheitsliste. Mentorinnen und Mentoren erhalten eine kurze Einführung in Erklären, Feedback und Gesprächsführung. Nach jeder Einheit notieren sie, was geklappt hat und wo Unterstützung nötig ist. Die Lehrkräfte prüfen die Notizen alle zwei Wochen. So bleibt das Programm nah am Unterricht und produziert keine zusätzliche Bürokratie.

  • Auswahl: Mentorinnen und Mentoren werden von Lehrkräften vorgeschlagen und absolvieren ein Kurztraining.
  • Rhythmus: Acht Wochen Programm, danach zwei Wochen Pause und Auswertung.
  • Material: Aufgaben stammen aus dem Regelunterricht, damit keine parallele Stofflogik entsteht.

Ergebnis: Mehr Sicherheit und eine neue Lernkultur

Nach zwei Durchgängen zeigt sich ein nüchternes, aber deutliches Bild: Die teilnehmenden Kinder beteiligen sich häufiger mündlich und geben bei Aufgaben seltener auf. Die Mentorinnen und Mentoren profitieren ebenfalls, weil sie Stoff wiederholen und Verantwortung übernehmen. Holly Win ersetzt keinen Förderunterricht, aber es schließt eine Lücke, die im Alltag oft offen bleibt. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern die Routine: verlässliche Termine, kleine Gruppen und Erklärungen, die ankommen.

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